Blick in den Glockenturm der Kirche Santa Maria Assunta auf Torcello die sieben Todsünden auf dem Weltengerichtsmosaik in der Kirche Santa Maria Assunta auf Torcello Kreuzgang des Klosters San Francesco del Deserto


Führung durch die Lagune von Venedig
 Die Inseln Torcello und San Francesco del Deserto

Hoch oben im Norden der Lagune liegt die Insel Torcello. Hierher flohen im 7. Jahrhundert AD die Bewohner des Festlandes, um den Horden der Langobarden zu entkommen. Hier ist die Wiege Venedigs. Allerdings war das Leben auf dieser Insel nicht so sicher, wie es sich ihre Bewohner wünschten, so dass der Regierungssitz der Gemeinschaft, die in der Lagune lebte, zunächst auf den Lido nach Malamocco und dann, um 800 AD, ins Herz der Lagune verlegt wurde, nach Rialto. Torcello blieb jedoch nichts desto trotz ein wichtiges Zentrum in der nördlichen Lagune, vor allem weil seine Lage als Brückenkopf vom Festland über die Lidi bis zum Mündungsdelta des Po so wichtig und für den Handel wertvoll war. Noch heute zeugt die ehemalige Bischofskirche Santa Maria Assunta von dieser wichtigen Rolle, die Torcello inne hatte. Dann aber begann im hohen Mittelalter der langsame Niedergang, der u.a. mit der "schlechten Luft", der "mala aria" - Malaria, zusammenhing. Die praktisch veranlagten Venezianer nutzen die Insel dann als Material-Bruch für ihre schnell wachsende Stadt um das Rialto herum, so dass Torcello langsam aber sicher verschwand. Heute gibt es nur noch wenige Gebäude auf Torcello und fast noch weniger Menschen, die dort immer leben.
Die Kirche Santa Maria Assunta beherbergt eine der beeindruckendsten Weltengerichtsdarstellungen des hohen Mittelalters, in Mosaik Technik gearbeitet, wie in der Lagune nicht unüblich. Das letzte, was der mittelalterliche wie auch neuzeitliche Besucher beim Verlassen der Kirche an der Innenseite der Westfassade sieht, ist die Darstellung der 7 Todessünden, die es in vergleichbarer "Schrecklichkeit" nur noch in Dantes Schilderung des Inferno in seinem Meisterwerk der "Göttlichen Komöde" gibt.
Vom Glockenturm der Kirche, zu dem eine Rampe heraufführt, hat man einen fantastischen Überblick über die Lagune von Venedig - und damit einen Blick auf eine Wasserlandschaft, die ähnlich ist wie die, die sich den Flüchtlingen im 7. Jh AD geboten hat.
Hemingway liebte es, sich in die Lagune, nach Torcello, zurückzuziehen, wenn es ihm in Venedig zu überlaufen war. Er wohnte dann in der Locanda Cipriani und genoss im Garten die Stille der Lagune.

Die Insel "San Francesco del Deserto", direkt hinter Burano gelegen, ist heute eine der noch wenigen aktiven Klosterinseln in der Lagune von Venedig und gehört, wenngleich schwer zu erreichen, zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Lagune. Als der Heilige Franziskus im frühen 13. Jahrhundert in die Lagune kam, suchte er sich diese verlassene Insel, "deserto" heißt auf deutsch "verlassen", aus, um in Ruhe hier beten zu können. Und so wurde auf dieser Insel die erste Kirche des Franziskanerordens gebaut, deren Spuren noch heute vor Ort zu sehen sind.  Unter Napoleon wurde auch die Klosteranlage von San Francesco del Deserto aufgelöst, jedoch unter den Habsburgern wieder eingerichtet, so dass heute eine Handvoll Franziskaner wieder auf ihrer alten Insel leben. Abgesehen von den architektonischen Besonderheiten - vor allem der schlichten romanischen Kirche  und dem idyllischen Kreuzgang - sind  es besonders die Ruhe und die friedvolle Atmosphäre des Ortes, die hervorragend nachvollziehen lassen, warum viele Ordensgemeinschaften im Mittelalter bis hin in die Neuzeit sich in die Lagune zurückgezogen haben - noch heute finden auf San Francesco Exerzitien statt.

Diese Führung ist auch für Familien mit Kindern geeignet.