Dogana mit San Giorgio, Aquarell

Dogana mit San Giorgio, Aquarell

Lygia Pape, Ttéia 1, C, 2003-2017

Lygia Pape, Ttéia 1, C, 2003-2017

Führung Zeitgenössiche Moderne in Venedig in der Punta della Dogana

Besichtigung der aktuellen Ausstellungen

 

Die Punta della Dogana gehört zu den markantesten Orten Venedigs. An der Spitze von Dorsoduro gelegen, dort, wo sich Canal Grande und Giudecca-Kanal treffen, bildet sie nicht nur einen geografischen, sondern auch einen historischen Knotenpunkt der Stadt. Über Jahrhunderte hinweg war sie ein Ort der Kontrolle, des Handels und der Macht – bevor sie sich im 21. Jahrhundert in einen Raum für zeitgenössische Kunst verwandelte.

Ihre Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück. Bereits im 15. Jahrhundert befand sich an dieser strategisch entscheidenden Stelle ein Zollposten, an dem Waren registriert und besteuert wurden, die nach Venedig gelangten. In einer Stadt, deren Reichtum auf dem Handel beruhte, war die Kontrolle des Warenverkehrs von zentraler Bedeutung. Die Punta della Dogana fungierte daher als eine Art wirtschaftliches Tor: Alles, was über den Seeweg in die Lagune kam, musste hier passieren.

Das heutige Gebäude entstand jedoch erst im 17. Jahrhundert. Zwischen 1677 und 1682 wurde das Zollhaus in seiner heutigen Form neu errichtet, wahrscheinlich nach Plänen des Architekten Giuseppe Benoni. Der Bau folgt einer langgestreckten, dreieckigen Grundform, die sich exakt an die Spitze der Landzunge anpasst. Diese ungewöhnliche Geometrie macht das Gebäude zu einem architektonischen Sonderfall in Venedig und verstärkt seine symbolische Wirkung im Stadtbild.

Besonders charakteristisch ist der kleine Turm an der Spitze, auf dem sich eine vergoldete Kugel befindet, die von zwei Atlasfiguren getragen wird. Auf dieser Kugel steht die Figur der Fortuna, die sich im Wind dreht. Dieses Ensemble ist nicht nur dekorativ, sondern auch bedeutungsvoll: Es verweist auf den Reichtum, der durch den Handel nach Venedig gelangte, und zugleich auf dessen Unbeständigkeit.

Architektonisch ist die Punta della Dogana funktional geprägt. Anders als die repräsentativen Paläste entlang des Canal Grande ist sie kein Wohnbau, sondern ein Zweckgebäude. Ihre langen, rhythmisch gegliederten Fassaden und die großen Innenräume dienten der Lagerung und Kontrolle von Waren. Die Gestaltung ist daher zurückhaltend, fast nüchtern – ein Ausdruck der administrativen Funktion, die das Gebäude über Jahrhunderte hinweg erfüllte.

Als Zollstation blieb die Punta della Dogana bis ins 19. Jahrhundert hinein von zentraler Bedeutung. Mit dem Ende der Republik Venedig im Jahr 1797, ausgelöst durch den Einmarsch von Napoleon Bonaparte, veränderten sich jedoch die politischen und wirtschaftlichen Strukturen grundlegend. Unter der nachfolgenden österreichischen Herrschaft und später im vereinigten Italien verlor Venedig zunehmend seine Rolle als Handelsmetropole. Damit schwand auch die ursprüngliche Funktion des Zollhauses.

Dennoch blieb das Gebäude lange Zeit mit der Verwaltung von Waren und Zöllen verbunden, wenn auch in veränderter Form. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Nutzung zunehmend reduziert, und die Punta della Dogana verlor ihre wirtschaftliche Bedeutung vollständig. Wie viele historische Gebäude in Venedig stand sie schließlich vor der Frage einer neuen Bestimmung.

Diese fand sie erst im frühen 21. Jahrhundert, als der französische Unternehmer François Pinault das Gebäude übernahm. Noch vor seinem Eingreifen war die Punta della Dogana jedoch ein Ort des Übergangs: ein historisches Relikt, das seine ursprüngliche Funktion verloren hatte, aber durch seine Lage und architektonische Präsenz weiterhin eine enorme symbolische Kraft besaß.

Pinault ließ die Dogana wie den Palazzo Grassi durch Tadao Andò sanieren und nutzt sie seit 2008 für Wechselausstellungen zur zeitgenössischen Kunst.

 

 

 

Dorsoduro Sechstel Venedig
Dorsoduro Sechstel Venedig