Leiter in Bild-Objekt von Anselm Kiefer im Dogenpalast

Anselm Kiefer, Installation, Dogenpalast 2022

Urs Fischer als Kerze an einem Tisch sitzend

Urs Fischer, ohne Titel, Punta della Dogana 2011

ca. 100 Wölfe umkreisen eine Kopie von Michelangelos Pietà aus der Peterskirche

Liu Ruo Wang, Pietà, Wölfe, San Salvador 2015

Führung aktuelle Ausstellungen in Venedig

Besichtigungen der Wechselausstellungen in Venedigs Museen

 

Die Ausstellungs-Landschaft der Lagunenstadt ist sehr vielfältig. Der Bogen ist in der Regel zeitlich und thematisch sehr weit gespannt. Oftmals sind die Ausstellungen optimale Ergänzungen zu den vielen Sehenswürdigkeiten, die es in Venedig gibt. Die Führungen geben einen umfassenden überblick über die Exponate und betten sie in den jeweiligen zeitlichen Kontext ein.
Die Führungen sind deutschsprachig und für Familien mit Kindern geeignet. 

           

 

In Minor Keys - In Moll
9. Mai - 22. November 20026 (montags geschlossen - abgesehen: 11.05. - 01.06. - 07.09. - 16. 11.)

Kuratorin der Ausstellung ist die schweizerisch-kamerunische Koyo Kouoh (1967-2025), die erste afrikanische Kuratorin der Geschichte der Biennale.
Ihr Titel ist "In Minor Keys", also "In Moll". Die Moll-Tonart wird in der Musik oft mit Trauer, Sehnsucht assoziiert, so dass die Ausstellung auf das Nachdenkliche, Leise fokussiert ist. Minor spielt darüber hinaus in Englischen auf Minderheiten an - der Blick geht weg von der Kunst des Globalen Nordens. 
Kouoh hat 111 Künster:innen eingeladen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Insgesamt 100 Länder nehmen an dieser 61. Kunstbiennale teil, deren Teilnahme schon im Vorfeld zu regen Diskussionen führte, die ungewollt während der Vernissage in einer regelrechten Performance rund um den russischen Pavillon mündeten.

Die Goldenen Löwen für den besten Beitrag der Ausstellung und den besten Länderpavillon werden 2026 nicht von einem 5-köpfigen Expertengremium, sondern vom Millionen-Publikum verliehen: nach dem Besuch beider Ausstellungsbereiche in den Giardini und dem Arsenal ist es über den Code des Tickets möglich, die persönlichen Goldenen Löwen zu vergeben.
 

Michael Armitage - Amar Kanwar
29. März 2026 - 10. Januar 2027 (dienstags geschlossen)
Michael Armitage, Holding Cell, 2021

 

Die aktuelle Ausstellung im Palazzo Grassi präsentiert zwei bedeutende Positionen der internationalen Gegenwartskunst: den Maler Michael Armitage und den Filmemacher und Installationskünstler Amar Kanwar. Beide Ausstellungen setzen sich mit zentralen Fragen unserer Zeit auseinander.

Michael Armitage, geboren 1984 in Kenia, zählt zu den wichtigsten Malern seiner Generation. In seinen Werken verbindet er figürliche Darstellungen mit erzählerischen und oft traumartigen Elementen. Dabei greift er politische und gesellschaftliche Themen wie Gewalt, Migration und Machtstrukturen auf. Seine Malerei ist besonders, weil sie afrikanische Perspektiven in einen globalen Kontext stellt und traditionelle sowie zeitgenössische Bildsprachen miteinander verbindet. 2019 war Armitage in der Ausstellung der Kunstbiennale MAY WE LIVE IN INTERESTING TIMES von Ralph Rugoff zu sehen.

Amar Kanwar, geboren 1964 in Indien, arbeitet vor allem mit Film und multimedialen Installationen. Seine Kunst bewegt sich zwischen Dokumentation und poetischer Erzählung und beschäftigt sich intensiv mit Themen wie Erinnerung, Gerechtigkeit und Widerstand. Kanwar schafft dabei Räume, in denen Besucher nicht nur betrachten, sondern auch reflektieren und emotional einbezogen werden.

Das zentrale Thema der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Realitäten der Gegenwart. Beide Künstler untersuchen, wie Geschichte, Identität und Macht miteinander verknüpft sind, und zeigen unterschiedliche Wege, diese komplexen Zusammenhänge künstlerisch darzustellen. Während Armitage dies vor allem durch Malerei und visuelle Erzählungen tut, nutzt Kanwar filmische und installative Mittel, um eine eher meditative und nachdenkliche Erfahrung zu erzeugen.

Die Ausstellung ist wichtig, weil sie zwei international bedeutende Künstler zusammenbringt, die beide nicht-westliche Perspektiven in den globalen Kunstdiskurs einbringen. Sie zeigt, wie zeitgenössische Kunst aktuelle gesellschaftliche Fragen aufgreifen und zugleich neue Formen des Erzählens und Denkens eröffnen kann. 

Palazzo Grassi

Lorna Simpson. Paulo Nazareth
29. März - 22. November 2026 (dienstags geschlossen)
Lorna Simpson, Klanginstallation, Dogana

Die Ausstellungen in der Punta della Dogana widmen sich zwei zentralen Positionen der Gegenwartskunst: Lorna Simpson (geb. 1960, USA) und Paulo Nazareth (geb. 1977, Brasilien).

Simpson zählt zu den einflussreichsten amerikanischen Künstlerinnen ihrer Generation. Bekannt wurde sie in den 1980er-Jahren mit konzeptueller Fotografie und prägt bis heute den Diskurs zu Identität, Race und Geschlecht. In ihrer Malerei verbindet sie historische Bildquellen mit einer poetisch-politischen Bildsprache.

Nazareth gehört zu den wichtigsten Stimmen des Global South in der zeitgenössischen Kunst. Seine oft performativen und reisenden Projekte thematisieren Kolonialgeschichte, Migration und globale Ungleichheiten und hinterfragen dominante westliche Perspektiven.

Gemeinsam eröffnen beide Ausstellungen einen vielschichtigen Blick auf die Konstruktion von Geschichte und Identität in einer globalisierten Gegenwart.

Lorna Simpson. Paulo Nazareth. Punta della Dogana

Jenny Saville in der Ca´ Pesaro
28. März - 22. November 2026 (montags geschlossen)
Jenny Saville Byzantium 2018

Jenny Saville (1970, Cambridge) zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Malerinnen Großbritanniens. Bekannt wurde sie in den 1990er-Jahren als Teil der Young British Artists, einer Künstlergruppe um Persönlichkeiten wie Damien Hirst und Tracey Emin. Nach ihrem Studium an der Glasgow School of Art entwickelte sie eine unverwechselbare Bildsprache: großformatige, oft schonungslose Darstellungen des menschlichen Körpers, die Fragen von Identität, Wahrnehmung und Schönheit neu verhandeln.

Die Ausstellung in Ca’ Pesaro ist ihre erste große Einzelausstellung in Venedig. Gezeigt wird eine umfassende Auswahl ihres Werks – von frühen Gemälden aus den 1990er-Jahren bis zu aktuellen Arbeiten. Im Zentrum stehen ihre monumentalen Porträts, in denen sie den menschlichen Körper mit expressiver Malweise und ungewöhnlichen Perspektiven untersucht. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen und Studien, die einen Einblick in ihren künstlerischen Prozess geben.

Die Ausstellung zeigt Savilles Entwicklung über drei Jahrzehnte nachzeichnet und unterstreicht die anhaltende Relevanz figurativer Malerei im 21. Jahrhundert. Sie zeigt, wie Saville traditionelle Themen der Kunstgeschichte neu interpretiert und mit zeitgenössischen Fragestellungen verbindet.

Jenny Saville a Ca` Pesaro, Ca´ Pesaro

Die Guardis aus der Sammlung Calouste Gulbenkian
7. März - 8. Juni 2026 (dienstags geschlossen)
Francesco Guardi, Markusplatz, Sammlung Calouste Gulbenkian, Lissabon

Die Ausstellung „I Guardi della Collezione Gulbenkian“ zeigt eine bedeutende Auswahl der Sammlung von Francesco Guardi aus dem Calouste Gulbenkian Museum in Lissabon.

Sie versammelt herausragende Veduten und Szenen Venedigs, die zwischen ca. 1770 und 1790 datieren und Guardis charakteristische, allusive Malweise mit flexibler Perspektive veranschaulichen. Die Werke spiegeln die Stimmung und Architektur der Stadt im 18. Jahrhundert wider und setzen Guardis Malerei in einen Dialog mit Zeichnungen aus der Sammlung des Museums, wodurch Einblicke in sein kreatives Schaffen und die künstlerische Bedeutung seiner Veduten entstehen.

Francesco Guardi (1712–1793) gilt als einer der Hauptvertreter der venezianischen Vedutenmalerei, die sich durch locker-luftige Pinselstriche und lebendige Farbigkeit auszeichnet. Guardis Werke beeinflussten später viele Künstler der europäischen Veduten-Tradition.

Etruschi e Veneti - Acque, culti e santuari (Etrusker und Veneter - Wasser, Kulte und Heiligtümer)
6. März - 29. September 2026
Quellen und Thermalgewässer in Venetien

Die Ausstellung „Etruschi e Veneti. Acque, culti e santuari“  beleuchtet die Bedeutung des Wassers im religiösen und gesellschaftlichen Leben der antiken Etrusker und Veneter. Gezeigt werden über 700 archäologische Objekte aus italienischen Museen und Ausgrabungen, darunter Funde aus Heiligtümern, Siedlungen und rituellen Stätten, viele davon erstmals öffentlich präsentiert.
Die Exposition thematisiert, wie Meere, Flüsse, Quellen und Thermalgewässer als Orte des Kultes, der Heilung und des Austauschs dienten, und verknüpft die Welten der Etrusker und Veneter über Wasser als verbindendes Element zwischen Natur, Religion und Gemeinschaft. 

Ahmet Ertuğ. Beyond the vanishing point ( Ahmet Ertuğ. Jenseits des Fluchtpunktes)
21. Februar - 6. April 2026 (mittwochs geschlossen)
Ahmet Ertug, Antonio Canova, Gipsothek

Die Ausstellung in den "Zimmern der Photographie", den Le Stanze della Fotografia, auf der Isola di San Giorgio Maggiore in Venedig präsentiert eine Auswahl von 29 großformatigen Fotografien des türkischen Architekten und Fotografen Ahmet Ertuğ (1949).

Die Bilder zeigen Monumentalbauten wie Kathedralen, Paläste, Theater, Bibliotheken und Museen in Italien und betonen das historische architektonische Dialogfeld zwischen Italien, dem Mittelmeerraum und dem Osten, symbolisiert u. a. durch die Kuppel der Hagia Sophia, deren Architektur vergleichbar ist mit der Markuskirche.

Ahmet Ertuğs Arbeiten gehen über reine Dokumentation hinaus und lassen durch einen meditativen, architektonisch geprägten Blick Raum, Licht und Erinnerung verschmelzen, indem sie oft verborgene oder schwer zugängliche Orte in monumentaler Präsenz zeigen. Seine Photographien verbinden architektonische Genauigkeit mit künstlerischer Ästhetik und zeigen häufig historische Stätten, die sonst schwer zugänglich sind, wodurch sie die Bedeutung von Architekturgeschichte und kulturellem Erbe visuell vermitteln.

Bella la Vita a Venezia (Schön ist das Leben in Venedig)
13. Dezember 2025 -12. April 2026 (montags geschlossen)
Campo dei Gesuiti auf einem Bild von Gabriele Bella

Die Ausstellung präsentiert die Sammlung von 69 Gemälden Gabriele Bellas, die das alltägliche Leben im Venedig des 18. Jahrhunderts darstellen und im Besitz der Stiftung Querini Stampalia sind.

Gabriele Bella (1730-1799) war gebürtiger venezianischer Maler und bekannt für seine Bilder, die Feste, religiöse und politische Zeremonien, Märkte, Prozessionen und Szenen aus dem Stadtleben der Republik Venedig zeigen. Dabei steht nicht die Architektur, sondern das Leben der Menschen und die Atmosphäre der Stadt im Mittelpunkt. Bellas Werke wirken fast wie ein visueller Bericht der Zeit und vermitteln ein lebendiges Bild der Gesellschaft, Rituale und Traditionen dieser Epoche.

Gesammelt wurden die Bilder vom venezianischen Adeligen Andrea Querini (1718-1797).