Forcolabauer Paolo Brandolisio bei der Arbeit

Paolo Brandolisio arbeitet

Forcola und Werkstatt

hölzerne Rudergabel, die Forcola

Ruder

das Ruder eines Gondoliere

Führung Handwerk in Venedig: Forcolabauer

Ruder und Rudergabeln

 

Die Forcola - vielleicht steckt sprachlich der Begriff ital. "forchetta" - deutsch "Gabel" in diesem Wort - ist die Rudergabel der Venezianer. Rudergabeln als solches gibt es bei vielen Ruderbooten. Das bekannteste venezianische Ruderboot, die Gondel, gibt es mindestens seit dem 11. Jh. Darum ist es naheliegend, dass es seitdem diese typisch venezianische Rudergabel gibt. Bilder aus der Gemäldegallerie, der Akademie, zeigen anschaulich, daß die Forcola im 15. Jh in Venedig Alltag war.

Im Gegensatz zu Ruderbooten außerhalb der venezianischen Lagune wird auf dem venezianischen Boot stehend gerudert. Das hat zur Folge, dass es keine Standartrudergabel geben kann, da die Ruderer unterschiedlich groß sind, das Ruder aber im immer gleichen Winkel ins Wasser eintauchen muss. Hinzu kommt, dass die venezianischen Ruderboote als primäre Transportmittel für Personen und Waren voll oder leer gerudert werden mussten und das mit der selben Rudergabel. Der Gondoliere bewegt das Boot mit seinem Ruder nicht nur vorwärts, sondern er steuert beim Rudern über die Forcola das Boot: Bei der Gondelforcola hat der Gondoliere mindestens 8 Möglichkeiten, sein Ruder anzulegen, um sich so z.B. vorwärts oder rückwärts zu bewegen, eine Links- oder Rechtskurve zu rudern.

Paolo Brandoliso (1967) gehört heute zu den wenigen Holzhandwerkern, die in Venedig noch Rudergabeln für Ruderboote sowie Ruder produzieren. Der gebürtige Venezianer hat seine Werkstatt im Stadtsechstel Castello, wo er sein Handwerk bei dem einzigen dazumal noch in Venedig tätigen Forcolabauern - Giuseppe Cardi (1915-1999) - lernte, dessen Werkstatt Brandolisio 1999 übernahm. 

Drei unterschiedliche Hölzer bieten sich alternativ (und in dieser Reihenfolge) für die Forcola an: Nussholz, Birnenholz oder Kirschholz. Die Gabel sollte möglichst aus einem einzigen Holzstück geschnitzt werden und benötigt darum ein Viertel eines Baustammes, der gut abgelagert sein muss. Die erste Formgebung geschieht mit einer Sägemaschine, dann geht alles in Handarbeit weiter, bis nach ca. 3 Arbeitstagen die Gondelforcola ihre Perfektion besitzt, die so ausgewogen ist, dass sie über ihren Nutzwerk hinaus ein ästehtisches Kunstwerk geworden ist.  

Im Gegensatz zur Forcola ist das Ruder nur von Bootsform, nicht aber von der Größe des Ruderers abhängig. Darum dauert es auch nur einen Tag, es zu schnitzen.Traditionell wurden Ruder und Rudergabel vom selben Handwerker gebaut, weshalb dieses Handwerk bis heute die "Arte del Remer", die "Kunst des Ruderers" genannt wird.

 

 

Die Besichtigung der Forcolawerkstatt wird in Absprache mit dem Forcolabauern organisiert.

 

Führung Handwerk in Venedig 
1. Führung Handwerk in Venedig: Gondelbauer
2. Führung Handwerk in Venedig: Forcolabauer
3. Führung Handwerk in Venedig: Masken
4. Führung Handwerk in Venedig: Marionetten
5. Führung Handwerk in Venedig: Stoffe
6. Führung Handwerk in Venedig: Kostümschneider
7. Führung Handwerk in Venedig: Schuster
8. Führung Handwerk in Venedig: Glas
9. Führung Handwerk in Venedig: Buchdruck und Papier 

 

Castello Sechstel
Castello Sechstel