Domenico Tramontin gründete 1884 die Firma Tramontin

1884 gründet Domenico Tramontin seine Firma

zwei Gondeln in der Werkstatt: eine neue, eine zu überarbeitende

Arbeiten in der Gondelwerkstatt, dem `Squero`

Teamwork: eine Gondel wird umgedreht

500 kg ist die Gondel schwer, die gedreht wird

 Führung Handwerk in Venedig: Gondelbauer

das bekannteste Boot der Lagune, die Gondel

 

 Am 2. Februar 1884 öffnete Domenico Tramontin - "El Grando" (der Große) genannt - in Dorsoduro seine Gondelbau-Werkstatt, seinen "Squero". Tramontin revolutionierte den traditionellen Gondelbau, und seine "Erfindungen" wurden von den anderen venezianischen Gondelbauern aufgegeriffen.

Die Gondel, deren Name "gondola" sich eventuell aus dem Griechischen ableitet, κονδοῦρα - kleines Boot, wird namentlich zum ersten mal im Jahre 1094 in einem venezianischen Dokument erwähnt. Seitdem ist dieses besondere Boot nicht mehr aus Venedig wegzudenken. Schon um 1500 gab es in Venedig mehr als 10.000 Gondeln, was schön auf Bildern dieser Zeit wie auch späterer Epochen in der Gemäldegalerie, der Akademie, studiert werden kann. Heute gibt es noch ca. 1.500 Gondeln in der Lagune.

Die Gondel hat eine ganz besondere Form, die mit der Beschaffenheit der Lagunenstadt zu tun hat: schon immer waren die engen Flüsse die Hauptverkehrswege, und die venezianische Boote mussten von Anfang an diesen Gegebenheiten angepaßt und darum schmal sein. Damit in diesem schmalen Boot auch etwas transportiert werden konnte, musste die Gondel lang sein. Bis heute hat die Gondel diese Form: sie ist lang, und sie ist schmal. War die Farbe der Gondel in der Frühzeit nicht festgelegt, wurde mit einem Aufwandgesetz des Jahres 1562 klar formuliert, dass die Gondeln der Venezianer (nicht die der ausländischen Gesandten, diese blieben farbig - damit konnte man den jeweiligen Gesandten/Staat sehr gut erkennen!) schwarz sein musste.
Da die Gondel komplett aus Holz gearbeitet wird, war und ist sie schwer. Aus diesem Grunde wurde das Boot so gut wie immer von zwei Gondolieri gerudert. Bis dann mit dem 19. Jh die Wende kam: ein Gondoliere wurde von der Gondel wegrationiert. Ein langes schmale Boot, auf dem hinten ein Ruderer steht und immer auf einer Seite rudert, kann nicht gerade aus fahren.

Domenico Tramontin brachte die Lösung des Problems: er konstruierte die Gondel um und gab ihr vor allem ihre assymetrische Form, die es möglich macht, dass der Gondoliere ganz alleine nur auf der rechten Seite rudernd mit seiner Gondel gerade aus fahren kann. Möchte der Gondoliere um eine Rechtskurve oder rückwärts fahren, dann benötigt er dafür eine spezielle Rudergabel, eine Forcola, die nicht vom Gondelbauer, sondern vom Forcolabauer geschnitzt wird.
Noch heute kann man den neuen Gondelprototyp Domenico Tramontins in Venedig vor Ort studieren und zwar im Dogenpalast, in dem eine historische Gondel aus der Werkstatt Tramontin aus dem Jahre 1890 ausgestellt ist oder im bedeutenden Schifffahrtsmuseum, in dem gleich mehrere historische Gondeln ausgestellt sind, u.a. die der Amerikanerin Peggy Guggenheim. Alternativ kann man auch ins Deutsche Museen in München gehen, die Gondel ist leicht zu erkannen an ihrer Signatur, die aus drei kleinen und zwei größeren Dreiecken am Heck besteht.

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Gondel ihre Form und ihre Details verändert. Seit dem 18. Jh jedoch sind ihre Maße unverändert: sie ist 10,84 m lang (11,10 mit der charakteristischen silbernen Stoßstange), 1,38 bis 1,42 m breit und im Inneren 50-55 cm hoch. Ab dem 19. Jh werden folgende Hölzer für die Gondel verwandt: Eiche (weil sie sehr hart ist und in bis zu 14 m langen Brettern erhaltbar ist), Ulme (weil sie sehr erlastisch und gut für die Querverbindungen zu gebrauchen ist), Tanne (weil sie leicht und salzwasserrestent ist), Kirsche (weil sie mit Feuer gebogen werden kann), Lärche (weil sie harzig und sehr hart ist), Mahagoni (weil sie ohne Astlöcher und breit ist), Linde (weil sie sich mit dem Wetter nicht verändert), Nuss (weil es in heißem Wasser sehr biegsam wird).

Führungen in den Werkstatt des Gondelbauers werden vorab mit der Werkstatt abgesprochen. 

 

Führung Handwerk in Venedig 
1. Führung Handwerk in Venedig: Gondelbauer
2. Führung Handwerk in Venedig: Forcolabauer
3. Führung Handwerk in Venedig: Masken
4. Führung Handwerk in Venedig: Marionetten
5. Führung Handwerk in Venedig: Stoffe
6. Führung Handwerk in Venedig: Kostümschneider
7. Führung Handwerk in Venedig: Schuster
8. Führung Handwerk in Venedig: Glas
9. Führung Handwerk in Venedig: Buchdruck und Papier  

 

Dorsoduro Sechstel
Dorsoduro Sechstel