Kirche und z.T. Kloster San Giorgio Maggiore wurden nach Entwürfen von Andrea Palladio errichtet Blick von Baldassare Longhenas Treppenaufgang in den Kreuzgang Andrea Palladios im Kloster San Giorgio Maggiore Paolo Vernoneses Gastmahl für das Kloster San Giorgio Maggiore ist heute nur in einer Kopie zu sehen


Führung durch die Stadtsechstel in Venedig: San Marco 8
Die Klosterinsel San Giorgio Maggiore
 

Schon im 10. Jahrhundert sind die Benediktiner in der Lagune von Venedig gesichert: die Klosteranlage von San Giorgio ist somit die älteste. Anders als später die Franziskaner oder Dominikaner ließen sich die Benediktiner nicht direkt in der Stadt nieder, sondern zogen es vor, Distanz zu halten zum regen städtischen Geschehen: die Insel genau vis-à-vis des Markusplatzes war hervorragend dafür geeignet. Heute sind auf der Insel zwei Institutionen angesiedelt: zum einen lebt hier eine kleine Benediktiner-Gemeinschaft, zum anderen ist die Insel Sitz der Fondazione Cini, deren Verdienst u.a. die Wiederinstandsetzung des Gesamtkomplexes nach den verheerenden napoleonischen Wirren ist.

Von der Vorgängerkirche, die man heute noch auf dem Plan von Jacopo de Barbari im Museum Correr sehen kann, ist nichts erhalten geblieben, da im 16. Jahrhundert Andrea Palladio mit dem Neubau der Klosterkirche beauftragt wurde, die erst nach seinem Tod, aber wohl unter Beibehaltung des ursprünglichen Palladianischen Konzeptes vollendet wurde. Der Glockenturm, der sich heute aus der Kirche herauswachsend erhebt, bietet einen sensationellen Blick auf die Stadt in ihrer Lagune und ist ein besonderer Tip auch während eines kurzen Ausfluges nach Venedig.

Die alte Klosteranlage war schon im 15. Jahrhundert für diese Zeit hochmodern mit einer Bibliothek nach Entwürfen des aus Florenz  stammenden Architekten Michelozzo Michelozzi (1396-1472), der sich 1433 im Gefolge Cosimo de Medicis in der Lagunestadt aufhielt, bereichert worden. Es ist das Verdienst dieses Architekten, die Frührenaissance in die venezianische Lagune gebracht zu haben. Wenngleich auch hier die alte Bausubstanz nicht mehr erhalten ist, so zeigt der die sogenannte "Manica Lunga" (wörtlich "langer ärmel"), das Dormitorium, das 1480 nach Entwürfen des aus Lugano stammenden Architekten Giovanni Buora, dass dieser die Lektion des Florentiners verinnerlicht hat und im Geist der Renaissance eine überaus harmonisches Ensemble schuf. Auch der Kreuzgang des Lorbeers, "chiostro degli allori", den Giovanni Buora in Zusammenarbeit mit seinem Andrea Buora ab 1517 schuf, legt davon Zeugnis ab.
Palladio dann erweiterte den Kreuzgangbereich wenige Jahrzehnte später um einen zweiten Kreuzgang, den Kreuzgang der Zypressen, "chiostro dei cipressi", und fügte das große Refektorium hinzu, das bis zum Ende der Republik an seiner Schmalseite eines der Hauptwerke des Malers Paolo Veronese zierte - bis Napoleon es nach Frankreich schaffen ließ, wo es auch heute noch eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Louvre ist. Die venezianischen Benediktiner müssen sich dem 2007 mit einer Kunstfälschung begnügen.
Im 17. Jahrhundert sieht das Kloster ein weiteres mal einen der ganz großen Architekten seiner Zeit in ihm wirken: Baldassare Longhena wurde mit einer Prachttreppe und dem Neubau der Bibliothek beauftragt, die beide zu seinen venezianischen Glanzleistungen gehören.

Vom alten Obst-, Gemüse- und Kräutergarten der Mönche ist heute nichts mehr anhalten. An seiner Stelle erhebt sich ein Park mit einem modernen griechischen Theater, in dem es eher selten Aufführungen zu sehen gibt.

Die Kirche San Giorgio kann täglich besucht werden. Für Einzelpersonen biete ich Führungen nur am Wochenende, Samstag und Sonntag, an. Für Gruppen kann auch während der Woche eine Führung stattfinden.
 

San Marco 1: Markusplatz mit Markuskirche
San Marco 2: Dogenpalast
San Marco 3: Museo Correr, Museo archeologico, Libreria
San Marco 4: Uhrenturm (Torre dell´Orologio), Glockenturm, San Giuliano
San Marco 5: San Moise, Santa Maria del Giglio, Santo Stefano und La Fenice
San Marco 6: San Salvador, Palazzo Fortuny, Palazzo Contarini del Bovolo
San Marco 7: Palazzo Grassi, San Samuele, San Vidal

Die Führungen in die Stadtsechstel sind immer auch für Familien mit Kindern geeignet.